Dienstag, 10. Mai 2016

Heimat

Neuerdings ist der Begriff Heimat wieder ganz aktuell. Als ich heute Mittag eine kleine Runde um einen nahen See fuhr und in Schönheit schwelgte, fing ich auch an, darüber nachzugrübeln.


Ist das hier meine Heimat? Dann wohne ich im realen Auenland, eindeutig, traumhaft schön an einem Maimittag, wenn die Buchen hellgrün in der Sonne leuchten. Hier gefällt es mir, hier will ich sein. Mein Weg schien ganz klar.


Aber Heimat ist nicht der Ort, wo man wohnen will, sondern da, wo man tatsächlich lebt. Bei mir ist das dankenswerterweise relativ identisch. Ich bin ein Nordlicht, ich gehöre ins Land zwischen den Meeren nach Schleswig-Holstein. Und eigentlich direkt an die See.


Notfalls reicht auch der See, wie dieser. Er ist ein echtes Juwel inmitten von Wald und Auen. Scheinbar ohne ein Ende hat er sich ins Hügelland gegraben.


Ringsum das pralle Gelb von Rapsfeldern.


Wer möchte nicht hier wohnen? So dachte ich, stolz auf meine Heimat, und vergaß, dass jeder seine eigene Heimat hat. Für manche ist Heimat eine verwahrloste Hinterhofgasse. Man muss seine Heimat nicht mögen. Heimat bedeutet etwas anderes: Vertrautheit.


Ich kenne die Wege, ich kenne mich hier aus, auch wenn ein paar Rätsel bleiben: Wer hat den alten Steinwall am Waldrand errichtet, und warum?


Wie groß ist 'Heimat'?
Umfasst sie nur das Haus und die Straße, die dorthin führt?


Oder das Dorf, den Stadtteil, die Stadt, den Landkreis, das Bundesland, das Land, in dem man aufgewachsen ist? Reicht es überhaupt, in einem Land aufzuwachsen, um dieses Heimat zu nennen?
Ich bin das Kind von Flüchtlingen, ist ewig her, aber ich habe auch Jahrzehnte gebraucht, um meine Heimat zu erkennen, sie als solche zu akzeptieren. Lange nannte ich sie meine Wahlheimat. Heute weiß ich, dass ich angekommen bin.
Wie lange werden die aktuellen Flüchtlinge brauchen? Wenn alles gut geht, werden sie irgendwann zwei Heimaten haben - die Mehrzahl von Heimat, wenn sie denn überhaupt existiert, ist mir nicht geläufig. Das sagt ja viel. Darf man nur eine Heimat haben?


Wie viel Heimat brauchen wir, um uns wohlzufühlen? Kann Heimat zur Last werden? Kann man Heimat nicht nur real auf der Flucht, sondern auch im Herzen verlieren?


Für mich als Autorin stellt sich noch eine andere Frage: Handelt ein Regiokrimi zwangsläufig von der Heimat - also von irgendeiner Heimat mit allem, was als typisch für dort gilt: kauzige Gestalten zum Beispiel, als gäbe es die nicht überall. So richtig erschließt sich mir nicht, was das Regio im Regiokrimi ausmacht, wenn ich die verschiedenen Romane lese und immer wieder auf ähnliche Details stoße: austauschbare Mundarten, austauschbare Straßennamen, regionale Rezepte, Badeseen oder gleich die Nord- und Ostsee.
Trotzdem spüre ich meine Heimat sofort, wenn ich nach einer Reise wieder ankomme. Sie erscheint mir unverwechselbar, und das ist wohl das Geheimnis von Heimat, ihr ganz eigener Zauber.


Ah, herrlich, zuhause!!!


Was bedeutet Heimat für euch?
Neugierige Grüße,
eure Gea

P.S.
Ich verlinke diesen Post mit Frollein Pfaus MMI. Seit mein Blog technische Probleme macht, ist das alles schwer geworden, aber ich hoffe, ich kann und darf nach langer Pause mal wieder teilnehmen.